Ist Hypnose gefährlich?
- 9. Feb. 2025
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 5. Aug. 2025
9 Mythen zum Thema Hypnose im Faktencheck

„Machst du mir jetzt die Gedanken weg….?“ fragt ein Mädchen in meiner Praxis, zu Beginn unserer ersten Sitzung.
Die meisten Menschen haben sich eine bestimmte Vorstellung gemacht, was Hypnose ist.
Geprägt sind diese inneren Bilder von Fernsehsendungen, Krimis und Erzählungen. In Krimis wenden dubiose Gestalten etwa Hypnose an, um wehrlose Menschen zu beeinflussen.
Auf der anderen Seite, gibt es zahllose Berichte von Hypnose als probates Mittel, in der modernen Therapie.
Dann gesellen sich Fernsehshows hinzu, wo Menschen zur Belustigung und Unterhaltung auf der Bühne den Anweisungen des Showhypnotiseurs folgend, mit einem Bobbycar fahren oder ihren Namen vergessen und ähnliches. Vielleicht hast auch du schon einmal daran gedacht, eine Hypnosetherapie in Anspruch zu nehmen, aber du hast einige Bedenken und Befürchtungen.
Dann lade ich dich ein, mit mir etwas einzutauchen in die Welt der Hynose:
Inhaltsverzeichnis:
1. Was ist Hypnose?
2. Kurze Geschichte der Hypnose
3. Wie wirkt Hypnose?
4. 9 Mythen im Faktencheck
Was ist Hypnose?
Obwohl der Name Hypnose aus dem griechischen hypnos (Schlaf) abgeleitet ist, ist dieser Name eher irreführend, denn der hypnotische Trancezustand entspricht keineswegs dem Schlaf, sondern geht meist mit einer angenehmen Entspannung einher.
Durch fokussierte Aufmerksamkeit tritt ein veränderter Bewusstseinszustand ein, der meist mit einer tiefen Entspannung einhergeht. Dabei wird der Fokus der Aufmerksamkeit von Außen nach Innen gelenkt. In diesem entspannten und doch fokussierten Zustand bleibt unser Verstand wach, tritt jedoch eher in den Hintergrund. So ist es möglich, Zugang zu unbewussten Inhalten zu bekommen, sowie Veränderungen in der Gefühlswelt, in Gedanken und im Verhalten zu erreichen.
Man wird empfänglicher für positive Suggestionen (Anweisungen), die eine gewünschte Verhaltensänderung ermöglichen können.
Hypnose ist ein natürlicher Zustand, in den wir tagtäglich auch selbst eintreten. Etwa bei monotonen Beschäftigungen wie langen Fahrten auf der Autobahn, sowie beim Aufwachen und beim Einschlafen, wenn wir schon (oder noch) Traumbilder wahrnehmen, aber auch noch nicht schlafen.
Würde man uns an ein EEG anschließen, so könnte man eine veränderte Gehirnwellenaktivität feststellen. Von einer leichten Trance spricht man bereits, wenn wir uns im Alpha Bereich der Hirnwellen befinden, was zum Beispiel beim abendlichen Fernsehen der Fall ist.
Während der Hypnose variiert die Trancetiefe ebenfalls zwischen Alpha (leichte Trance) bis hin zu tiefen Trancen (Theta Bereich).
Geschichte der Hypnose
Trancezustände nutzte man schon vor tausenden Jahren zu Heilungsritualen in unterschiedlichsten Kulturen, wie den Ägyptern, in Indien und Griechenland.
Bereits im alten Griechenland verwendeten Priester des Asklepios-Heiligtums den Tempelschlaf um Heilung durch visionäre Zustände zu fördern.
In Ägypthen (etwa 1550 v. Chr.) beschrieben Schriften im Papyrus Ebers Rituale, die hypnotischen Zuständen ähnelten.
Franz Anton Messmer, James Braid, Jean-Martin Charcoi und Milton H. Erickson sind entdeckten und entwickelten die Hypnose weiter zu einer heute modernen und effektiven Therapieform.
Wie wirkt Hypnose?
Hypnose wirkt durch die direkte Ansprache des Unterbewusstseins, wo tief verankerte Gewohnheiten, Glaubenssätze und Emotionen gespeichert sind.
Neurologische Grundlagen:
Studien zeigen, dass Hypnose spezifische Gehirnareale beeinflusst. Insbesondere der präfrontale Kortex (Verarbeitung von Aufmerksamkeit und Kontrolle) und das default mode network (Selbstreferenz) zeigen veränderte Aktivität. Diese Veränderungen fördern die Verarbeitung neuer Informationen und reduzieren kritische Filter.
Mechanismen der Wirkung:
Fokussierte Aufmerksamkeit: durch Verminderung der Außenreize und Fokus nach Innen
Suggestibilität: In Hypnose ist das Gehirn empfänglicher für Vorschläge, da der kritische Verstand in den Hintergrund tritt.
Emotionale Verarbeitung: Traumata und Ängste können sanft bearbeitet werden, da Emotionen im Unterbewusstsein neu verknüpft werden können.
Anwendungsgebiete: Hypnose kann therapeutisch genutzt werden um Ängste, Stress, Traumata, Schmerzen, Süchte und Selbstwertprobleme nachhaltig zu behandeln, sowie Verhaltensänderungen zu bewirken.
9 Mythen zu Hypnose im Faktencheck
"Ich verliere in der Hypnose die Kontrolle über mich selbst."
Fakt: Hypnose ist ein aktiver Prozess, bei der der Hypnotisant mit dem Hypnotiseur interagiert. In dem Sinne ist jede Hypnose eigentlich eine Selbsthypnose, denn der Therapeut leitet an, doch ohne das Einlassen des Klienten wäre keine Trance möglich. Da man während der Trance bei Bewusstsein ist, bleibt die Kontrolle erhalten. Dies belegen auch Hypnoseforscher wie David Spiegel (Stanford University). Sie stellten fest, dass Hypnose eine aktive Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Klient voraussetzt.
"Ich werde in der Hypnose peinliche Dinge tun."
Fakt: Die Befürchtung, sich peinlich zu verhalten stammen vermutlich von Szenarien der Showhypnose. Im Therapeutischen Setting geht es darum, dem Klienten zu helfen, seine Ziele zu erreichen und nicht um Showeffekte. Zudem schützt das Unterbewusstsein einen davor, Dinge zu tun, die nicht den eigenen Werten entsprechen. Außerdem geht es im therapeutischen Setting darum, dem Menschen bei einem bestimmten Thema zu helfen und nicht, wie in der Showhypnose, zu unterhalten.
"Ich könnte in der Hypnose stecken bleiben."
Fakt: Es ist unmöglich, in Hypnose "stecken" zu bleiben! Da Hypnose ist ein natürlicher Zustand ist, kann an dort nicht „stecken“ bleiben. Sollte dem Therapeuten etwas zustoßen, so würde man, je nach Entspannung und Trancetiefe, entweder die Augen öffnen und sich zurück orientieren, oder eine Weile Schlafen um dann entspannt wieder aufzuwachen.
Laut der American Psychological Association (APA), kehrern Menschen aus der Hypnose auf natürliche Weise zurück, oft sogar erfrischt.
"Hypnose funktioniert bei mir nicht."
Fakt: Studien zeigen, dass etwa 85-90 % der Menschen hypnotisierbar sind. Der Grad der Hypnotisierbarkeit variiert, aber fast jeder kann in einen Trancezustand gelangen.
Erfolgsfaktoren sind Offenheit und Vertrauen in den Therapeuten. Aus diesem Grund ist es wichtig, möglichst gut informiert und aufgeklärt zu werden. Der Therapeut sollte sich ausreichend Zeit nehmen, Hypnose zu erklären und auf den Ablauf der Sitzung, sowie auf alle Fragen einzugehen. Sollte man sich unwohl fühlen, dann muss es möglich sein, von einer Sitzung Abstand zu nehmen.
Eine Meta-Analyse von Montgomery et al. (2000) zeigt, dass Hypnose bei vielen psychischen und physischen Problemen wirksam ist.
"Hypnose ist gefährlich."
Fakt: Laut British Psychological Society ist Hypnose ein sicheres Werkzeug in der Psychotherapie.
Hypnose wird als Therapieform bereits seit vielen Jahren erfolgreich bei verschiedenen Themen wie Ängsten, Schmerzen, Traumabewältiung und vielem mehr angewendet.
Bei der Auswahl eines Hypnosetherapeuten sollte man sich informieren über Qualifikationen. Zudem sollte man ihm oder ihr natürlich vertrauen können. Bewertungen und auch eine gutes Bauchgefühl sind hilfreiche Indikatoren.
"Der Hypnosetherapeut kann in meinen Kopf schauen."
Fakt: Ein Therapeut hat keinen Zugriff auf deine Gedanken. Hypnose ermöglicht lediglich dir selbst einen besseren Zugang zu deinem Unterbewusstsein, aber nur das, was du selbst zulässt, wird bearbeitet. Du behältst stets die Kontrolle über das, was du aussprichst, oder auch nicht.
"Während der Hypnose schläft man."
Fakt: Hypnose ist kein Schlafzustand, sondern ein Zustand fokussierter Entspannung. Das Gehirn bleibt dabei aktiv und aufmerksam, ähnlich einem meditativen Zustand. In der Regel kann man sich so an die Inhalte der Sitzung erinnern. Lediglich bei länger andauernden Sitzungen, wie einer Entspannungshypnose oder bei großer Müdigkeit kann es sein, dass nicht die ganze Sitzung erinnert wird.
Da bei vielen Anwendungen in Trance auch miteinander gesprochen wird, kann man sich daran auch bewusst erinnern.
"Hypnose ist nicht wissenschaftlich anerkannt."
Fakt: Hypnose ist wissenschaftlich fundiert und wird weltweit in der Therapie eingesetzt.
Zahlreiche Studien zeigen die Wirksamkeit von Hypnose, z. B. bei der Behandlung von Schmerzen, Ängsten und posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS).
"Ich habe Angst, Dinge zu verraten, die ich nicht sagen will."
Fakt: Da dein bewusster Verstand in Hypnose weiterhin wach ist, tust du nichts gegen deinen Willen und plaudert auch nichts aus. Du hast jederzeit die Kontrolle über das, was du mitteilst.

Zusammenfassung:
Hypnosetherapie ist eine anerkannte Behandlungsmethode, die bei einer Vielzahl von Beschwerden hilfreich eingesetzt werden kann.
Die Hypnose ist dabei nur der Trancezustand. Während der Sitzung gibt es ganz verschiedene Behandlungsansätze mit denen etwa Blockaden gelöst werden, Ursachen für Belastungen aufgedeckt werden können oder auch hilfreiche Verhaltensweisen eingeübt werden können, sowie hilfreiche neue Glaubenssätze gegeben werden können.
Ein guter Hypnosetherapeut klärt ausführlich auf und geht auf alle etwaigen Fragen ein. Zudem sollte es auch möglich sein, von der Sitzung Abstand zu nehmen, wenn man sich doch nicht wohl fühlt.
Hast du noch weitere Fragen zum Thema Hypnose?
Schreib mir gerne!

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